Könige
der Finsternis

Wie keiner anderen Gruppe gelingt es Tokio Hotel mit ihrer
Musik das Lebensgefühl der Nullerjahre auf den Punkt zu bringen
– dafür wurden die vier Magdeburger Jungs nun bei den MTV
Awards völlig zu recht als „Beste Band“
ausgezeichnet
Am Ende kam alles so wie erwartet: Katy Perry moderierte sich in
Strapsen durch den Abend, Beyonce räkelte sich in Strapsen durch
ihren Auftritt, Bono von U2 trug keine Strapse, war aber sehr von
sich selbst erotisiert, als er sich für den Preis bedankte. Und
kurz bevor alles vorbei war, standen vier junge Männer aus
Magdeburg auf der Bühne und dankten ihren Fans. Als „Beste
Band“ wurden Tokio Hotel bei den MTV Awards ausgezeichnet
– und wen das überrascht, der hat die vergangenen Jahre in
einer Höhle gelebt.
Lange Zeit galten die vier Jungs aus Magdeburg als bloßes
„Pop-Phänomen“, als geklonte Retorten-Band, ebenso
künstlich, alienhaft und unwirklich wie ihr Frontmann: Bill
Kaulitz, das konnte man in Berlin sehen, wirkt wie der
fleischgewordene Held aus einem Manga-Comic: mandelförmige, mit
Kajal hervorgehobene Augen, androgynes Gesicht, blasse Haut,
schmales Becken, dünne Beine, Nietengürtel, auftoupierte Haare. Ein
20-Jähriger als zeitlose Kunstfigur. Und genau das kann man von der
Musik der Band nicht sagen.
Als die Band im Sommer 2005 ihr Debütalbum „Schrei“ und
die Single „Durch den Monsun“ veröffentlicht, schießt
das Stück sofort auf Platz eins in den deutschen und
österreichischen Charts. Zwei Jahre später ist das Lied noch immer
in den Charts gelistet – allerdings in den französischen,
italienischen und portugiesischen. Für ihr 2007 veröffentlichtes
Album „Zimmer 483“ lernen französische Mädchen deutsch,
und als Bill, Tom, Gustav und Georg im vergangenen Jahr in die USA
reisen, sind ihre Shows überall ausverkauft.
Wo immer Tokio Hotel auftritt, schlägt der Band abgöttische Liebe
entgegen. Oder abgrundtiefer Hass. Nichts dazwischen. Die vier
Jungs verstören, verführen, verzaubern. Das gelingt ihnen, weil sie
es wie keine andere Band geschafft haben, die Nullerjahre auf den
Punkt zu bringen. Das Taumeln und Träumen einer ganzen Generation
am Rande des Abgrunds.
Düster, ahnend, unheilvoll sind ihre Stücke, niemals belanglose
Liedchen, wie sie die Boybands der Neunziger produzierten. Tokio
Hotel besingen eine Welt, die vom Monsun heimgesucht und von
Humanoiden bevölkert ist, eine Welt, die „umgekippt“
ist und in der man sich über nichts mehr gewiss sein kann.
„Zwischen den Welten / Bin ich gefangen / Koordinaten /
unbekannt“, kräht Bill Kaulitz, und es braucht nicht viel, um
darin das Lebensgefühl einer orientierungslosen, liebesbedürftigen,
sehnsuchtsvoll-romantischen Jugend zu erkennen, die
„Generation Krise“ getauft wurde und für die Stephenie
Meyer ihre düsteren Bis(s)-Vampir-Romane schreibt.
„Ich bin zerfressen von Sehnsucht in alle möglichen
Richtungen. Aber ich glaube, eine unbestimmte Sehnsucht tragen
viele Menschen in sich“, sagt Bill Kaulitz. Vor kurzem ist er
20 Jahre alte geworden.
Jan Chaberny
Source
: http://www.abendzeitung.de/kultur/144397
Traduction
anglaise
Kings of the Darkness
Like no other group in these years Tokio Hotel manage to bring the
attitude of life to the point – therefore the 4 Boys from
Magdeburg were rightfully awarded as “Best Band” at the
MTV Awards.
In the end, everything came like expected: Katy Perry moderated
– with her suspenders on – through the evening, Beyonce
lounged, with her suspenders on, through her performance, Bono from
U2 didn’t wear any suspenders, but he was very eroticized by
himself, through his acceptance speech. And just before everything
was over, 4 young men stood on the stage and thanked their Fans.
Tokio Hotel was awarded as the “Best Band” at the MTV
Awards – and the ones who were surprised by this, probably
spent the last few years in a cave.
For a long time the 4 Boys from Magdeburg were designated as a mere
“Pop-Phenomenon”, as a cloned retorts Band, as fake,
alien-like and unreal like their Frontman: Bill Kaulitz, you could
see that in Berlin, appears like a hero from a Manga Comic:
almond-shaped, with kohl accentuated eyes, androgynous face, pale
skin, slender pelvis, thin legs, studdet belt, backcombed hair. A
20 year old as an timeless artificial character. And that’s
what you can’t tell by the music of the band.
When the Band released their debut Album “Schrei” and
the Single “Durch den Monsun” in Summer 2005, they
immediately rank on #1 in the German and Austrian Charts. 2 Years
later, the song is still in the Charts – but this time on the
french, italian and portugese ones. For their in 2007 released
Album “Zimmer 483″ the french girl start learning
german, and when Bill, Tom, Gustav and Georg travelled to the US,
their shows are sold out.
Wherever Tokio Hotel appears, the Band is the target of idolatry
love. Or abysmal hatred. Nothing in between. The 4 boys unsettle,
seduce, and enchant. And they succeed, because they brought it to
the point, like no other Band in the last few years. The staggering
and dreams of an entire generation on the edge of the abyss.
Dark, foreboding, and ominous are their songs, never
inconsequential songs, like the Boybands from the 90s produced
them. Tokio Hotel are singing about a world, which is haunted by
monsoons and populated by Humanoids, a world, that “tipped
over” and in which you can’t be certain of a lot of
things. „Zwischen den Welten / Bin ich gefangen / Koordinaten
/ unbekannt“, Bill Kaulitz sings, and you don’t need a
lot of talent to hear the attitude of life, of a disoriented, in
need of love, nostalgic and romantic youth, the “Generation
Crisis”, that’s how it’s called, the generation
for which Stephenie Meyer also writes her somber Twilight-Series
Novels.
“I’m consumed by a certain craving in all possible
directions. But I think all the people have such an indefinite
longing in them”, says Bill Kaulitz. Not long ago he turned
20.
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